Die Honigbiene in der Einflusssphäre des Menschen

Die Honigbiene rückt unfreiwillig in die Nähe des Menschen

Die Menschen haben es schon früh verstanden der Honigbiene aufgrund des kostbaren Honigs und des ebenso wertvollen Bienenwachses nachzustellen. Selbst früher wird es dabei nicht immer zimperlich vonstatten gegangen sein. Das vom Jäger und Sammler seiner kompletten Honigvorräte entledigte Bienenvolk war mit großer Wahrscheinlichkeit dem Tod geweiht. Und über die vergangenen Jahrtausende hinweg waren die Bienenhalter sicherlich bereits in der Lage, denen in ihrer Obhut befindlichen Bienenvölker eine erträgliche Honigernte ab zu ringen. Aber es existierten sicherlich auch einige frühere Formen der Bienenhaltung, die eher einen extensiven Charakter hatten: Nur in guten Jahren wurden den Bienen dabei ihre „Überschüsse“ genommen, so wie es beispielsweise die Zeidler des Mittelalters bei der traditionellen Waldbienenhaltung praktizierten.

Und so wurde mit der Zeit und auf verschiedenen Wegen aus dem „Wildtier“ Honigbiene allmählich das „Nutztier“ Honigbiene. Aus dem steinzeitlichen Honigdieb und den Bienenhaltern der Hochkulturen wurde im Mittelalter der Zeidler. Der ging noch zu seinen Bienen in den Wald. Später holten sich die Menschen die Bienen mehr und mehr zu sich heran und hielten diese auf ihren Höfen und nahe ihrer Siedlungen in Klotzbeuten, Bauernstöcken, Bienenkörben und allerlei anderen menschengemachten Bienenbehausungen. Mit der Umstellung auf die Kastenimkerei im 19. Jahrundert -und später dann auf die Magazinimkerei so wie wir sie heute kennen- erfuhr die Bienenhaltung noch einmal eine entscheidende Richtungsänderung – nicht immer zum Guten der Honigbiene.

Aus Nähe wird Abhängkeit und mit zunehmender Abhängigkeit zeigen sich die Probleme

Und heute? Als vom Menschen stark beanspruchtes Nutztier scheint heute das Überleben der Honigbiene voll und ganz in der Hand von uns Menschen zu liegen. Kein Honig, kein Bienenwachs, keine überlebenden Honigbienen ohne imkerliche Betreuung! Die Situation scheint festgefahren und das sogenannte „Bienensterben“ ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Warum ist das so?

Als Gründe hierfür werden oft der Verlust an Lebensraum und damit der Verlust der Nahrungsgrundlage der Honigbiene genannt. Eine gute und kontinuierliche Pollen- und Nektarversorgung ist heute in vielen Gegenden kaum noch gegeben. Scheint sich die Honigbiene offenbar nicht mehr selbstständig, ausreichend und gesund ernähren zu können? Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden treibt bekanntermaßen die negative Entwicklung voran und macht die Bienen krank, so dass Honigbienen mittlerweile in Großstädten bessere Überlebenschancen haben als in den stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten auf dem Land. Und die durch den Menschen eingeschleppten Parasiten, allen voran die Varroamilbe, machen den Honigbienen zusätzlich zu schaffen. Der Patient Honigbiene kränkelt und ohne die menschliche „Behandlung“ scheint auch hier kein selbstständiges Überleben mehr möglich zu sein. Bei der Aufzählung der Gründe für diese unschöne Entwicklung dürfen wir einen Faktor nicht vergessen: Uns selber. Denn nicht immer behandeln wir unsere Honigbienen auf dem Weg zu einer guten Honigernte so bienenfreundlich wie wir denken. Und oft überbeanspruchen wir die sprichwörtliche Leistungsfähigkeit unser „fleißigen Bienchen“. Die Meisten imkern mit Herz und Seele und wollen ihren Honigbienen nur das Beste. Wir stellten jedoch auch fest, dass es dabei noch zu oft um das Wissen der wahren Bedürfnisse der Honigbienen mangelt.

Menschengemachten Problemen wird mit menschengemachten Lösungen begegnet

Die konventionelle Imkerei gibt für die existierenden Probleme umfangreiche Hilfestellung – nicht ganz uneigennützig versteht sich – schließlich wollen wir nur ungern zum Frühstück auf unser Honigbrötchen verzichten. Somit können auch wir „Honigesser“ uns dieser Problematik nicht gänzlich entziehen! Die Suche nach Lösungen aus dem Dilemma lief in den vergangenen Jahren auf Hochtouren, dies allerdings bisher mit mäßigem und vor allem nicht nachhaltigem Erfolg – zumindest was die Bedürfnisse der Honigbienen angeht. Die fehlende Nahrungsgrundlage der Honigbienen konnte trotz zahlreicher Initiativen bis heute nicht flächendeckend verbessert werden. Die Selbstheilungskräfte der Honigbiene können sich durch zu häufige imkerliche Eingriffe nicht recht entfalten. Noch zu häufig werden Honigbienen in nicht bienengerechten Unterkünften gehalten. Die Varroamilbe wird mit allerlei chemischen Mitteln und technischen Erfindungen bekämpft, mit den entsprechenden Nebenwirkungen versteht sich. Und mit der noch weit verbreiteten Unterdrückung des Schwarmtriebes, der natürlichen und einzigen Vermehrungsform der Bienen, nehmen wir der Evolution und damit der Honigbiene die Möglichkeit, sich an die neuen Gegebenheiten auf natürliche Art und Weise anzupassen.

Was tun?

Der Patient braucht Ruhe!

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