Unser Anliegen

Ein Bewusstseinswandel für Wege aus der Krise

Ein Bewusstseinswandel im Umgang mit der Honigbiene ist im Gange, das spüren wir ganz deutlich. Dabei geht es uns nicht darum, den einen neuen, „richtigen“ Weg zu finden und zu propagieren. Vielmehr muss jeder Einzelne seinen Weg mit den Bienen finden, der sich für ihn und seine persönliche Situation gut anfühlt. Wir für uns sind den Schritt gegangen, uns von der Honigproduktion zu lösen, wofür wir durchaus -anstatt Honig- den einen oder anderen fragenden Blick geerntet haben. Wir wurden aber selber davon überrascht, wie viele neue Blickweisen auf die Honigbienen sich durch diesen ungewöhnlichen aber entscheidenden Schritt ergeben haben. Und, so unsere Hoffnung: Vielleicht ergeben sich ausgehend von einem Bewusstseinswandel in den Köpfen vieler Menschen neue Wege aus der Krise, in der sich die Honigbiene aufgrund der erschwerten Lebensbedingungen derzeit befindet.

Es gibt sie noch

Es gibt sie noch, die wild und ohne Betreuung des Imkers lebenden Honigbienen! Und nachdem sie eine Zeit lang ein wenig aus den Köpfen der Menschen verschwunden waren, kehren sie auch dort hin allmählich wieder zurück. Beides ist gut so. Denn die wild lebenden Honigbienen, für Millionen von Jahren das Normalste der Welt, haben ihre Daseinsberechtigung.

Von den wild lebenden Honigbienen lernen

Wir denken, dass wir von den wild und eigenständig (über-)lebenden Honigbienenvölkern um uns herum noch vieles lernen können. Zunehmend mehr Menschen beschäftigen sich, so wie wir, mit den natürlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen der Honigbienen. Es gilt diese zu erkennen und auch für die Honigbienenvölker in imkerlicher Betreuung zu reaktivieren. In das Thema ist Bewegung gekommen und auch die Wissenschaft hat die wild lebenden Honigbienen als Forschungsobjekt wiederentdeckt. Wir erwarten hier weitere spannende Erkenntnisse.

Was sind eigentlich wild lebende Honigbienen?

Der Gesetzgeber -und die Mehrheit der Menschen- kennen die Honigbiene ausschließlich als Nutztier und nicht als Wildtier. Wenn wir von wilden Honigbienen sprechen ist definitionsgemäß erst einmal die ursprünglich in Mitteleuropa heimische Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) gemeint. Diese gilt jedoch durch die sogenannte Landrasse verdrängt, einer Mischung der drei imkerlich genutzen Unterarten Apis mellifera mellifera, A. m. carnica und A. m. ligustica. Deswegen fasst der allgemeine Sprachgebrauch unter wilden oder wild lebenden Honigbienen die aus Imkerhand entkommenen, verwilderten Honigbienenvölker, die in freier Wildbahn ohne imkerliches Zutun überleben, zusammen. Verwilderte Honigbienenvölker wäre die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung.

Was uns beschäftigt und wichtig ist

Uns geht es nicht nur um die wild in freier Wildbahn lebenden Honigbienenvölker sondern um noch etwas anderes Übergeordnetes: Die natürlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen der Honigbiene. Diese finden wir sowohl bei wilden, verwilderten als auch bei den in Imkerhand bewirtschafteten Honigbienenvölkern wieder – wenn wir die Bienen nur lassen. Und ein zweiter Punkt ist uns wichtig: Herauszufinden, welche Bedürfnisse die Honigbienen haben, um ein aus ihrer Sicht gutes und artgerechtes Bienenleben zu führen.

Nutztier Honigbiene oder Wildtier Honigbiene?

Wir denken, beides wäre gerechtfertigt und für uns ist der Übergang vom Nutztier Honigbiene zum Wildtier Honigbiene weniger eine Definitionsfrage sondern fließend und vielfältig – und letztendlich vom Grad der menschlichen Einflussnahme abhängig. Da gibt es den Berufsimker, der berufsbedingt seine Bienenvölker bewirtschaften muss. Dem Hobbyimker öffnen sich bereits größere Freiheitsgrade seinen Einfluss auf das Bienenvolk zu bestimmen, wie über die Größe der Honigernte, über die Wahl der Bienenbeute oder über eine möglichst wesensgemäße Betriebsweise. Schwarmimker geben den Honigbienen ihre natürliche Art der Vermehrung zurück, Klotzbeuten-Bienenbetreuer bieten Honigbienenvölkern Bienenwohnungen an, so wie es Vogelfreunde mit dem Aufhängen von Nistkästen tun. Die erfreulicherweise wieder zurückkehrende Zeidlerei, das Handwerk der traditionellen Waldbienenhaltung, orientiert sich -trotz möglicher Honigernte- sehr nah an der Biologie der Honigbiene und reaktiviert altes Wissen – vieles muss nicht neu erfunden werden. Am Schluss bleibt das verwilderte, ohne menschlichen Einfluss überlebende Honigbienenvolk in seiner Baumhöhle im Wald. Auch auf dieses wollen wir unser Augenmerk richten.

Themen-Vielfalt

Je mehr wir uns mit den natürlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen der Honigbiene beschäftigten, umso mehr wurden wir überrascht von der Fülle an Themen und der sich hieraus ergebenden Fragen. Was macht eine gute, natürliche Bienenbehausung eigentlich aus? Wieviel Schwärme und Bienengenerationen benötigt es, um eine solche Bienenbehausung „bienengemäß“ mit Waben, Propolis und Honigvorräten auszustatten? Wann ist ein junges Bienenvolk in die Lage versetzt, den ersten Winter selbstständig zu überleben? Sind wilde Bienenvölker gesünder? Setzen sich nicht beimkerte Bienen besser gegen Parasiten und Krankheiten zur Wehr? Warum sollten wir lernen, den Tod von Bienenvölkern zu akzeptieren? Wie und wo leben die wilden Bienenvölker? Wie überleben Sie ohne menschliches Zutun? Welche natürlichen Eigenschaften der Honigbienen gilt es noch zu entdecken?

Wir könnten den Katalog mit einer Reihe von Fragen fortsetzen. Viele davon werden noch zu beantworten sein, zu anderen verdichten sich die Erkenntnisse. Mit unserer Rubrik „Themen-Vielfalt“ möchten wir Gedanken, Anregungen und Informationen anbieten, für diejenigen, die sich einen Überblick über dieses Themenfeld verschaffen möchten. Wir verlinken den Leser zu Informationsquellen anderer Gleichgesinnter und flechten genauso eigene Ansichten und Erfahrungen in die Betrachtung mit ein. Lassen Sie sich zu einem Bewusstseinswandel inspirieren.

Weiterlesen:

Themen-Vielfalt