Drohnen

Unterdrückt und unterschätzt

Da es sich hier um Bienen dreht, sind in diesem Artikel natürlich nicht die Fluggeräte gemeint, sondern die männlichen Bienen, die ebenfalls als Drohnen bezeichnet werden. Die männliche Biene schlüpft aus einem unbefruchteten Ei und wächst in einer Zelle auf, die etwas größer ist, als die der Ammenbienen. Im Frühsommer finden dann sogenannte Hochzeitsflüge statt, bei dem eine kürzlich geschlüpfte unbefruchtete Königin den Bienenstock verlässt, um auf ihrem Flug von mehreren Drohnen Spermien aufzunehmen, die sie in einer Samenblase speichert und die bis an ihr Lebensende ausreichen müssen, denn einen zweiten Hochzeitsflug wird sie nicht unternehmen. Bei jeder Eiablage kann die Königin dann selbst steuern, ob ein Ei befruchtet werden soll oder nicht. Dabei entstehen dann die Ammenbienen bzw. sogenannte Arbeiterinnen, also weibliche Bienen oder Drohnen. Die Drohnen suchen dazu so genannte Drohnensammelplätze auf, die jedoch bisher nur wenig erforscht wurden. Somit haftet an den Drohnensammelplätzen – zumindest für mein Gefühl – ein etwas mysteriöses Image. In diesem Artikel soll es jedoch nicht darum gehen, ob es Drohnensammelplätze gibt oder nicht. Sondern vielmehr ist der Fokus auf die Rolle der Drohnen in der konventionellen Imkerei gerichtet.

Wenn wir uns einen herkömmlichen Bienenkasten anschauen, wie ich ihn viele Jahre in meiner Zeit als Hobbyimker verwendet habe, dann fällt uns auf, dass die Zellen auf den Rähmchen alle der Größe entsprechen, in der Arbeiterinnen erbrütet werden können. Diese Zellen sind etwas kleiner als sie für Drohnenbrut erforderlich sind. Das liegt daran, dass ich die Rähmchen mit Mittelwänden bestehend aus Wachs ausgestattet habe, auf die eben dieses kleine Zellmaß vorgeprägt ist. Die Bienen orientieren sich beim Bau der Zellwände an dem vorgeprägten Wabenmuster auf der Mittelwand und somit gibt es im Bienenkasten nur Zellen einer Größe. Manchmal, wenn die Bienen in den Ecken der Waben kleine Aussparungen knabbern, legen sie hier ein paar Drohnenzellen an, die dementsprechend auch von der Königin mit einem unbefruchteten Ei versehen werden und somit werden ein paar Drohnen herangezogen. Interessant ist, dass wenn man ein leeres Rähmchen ohne Mittelwand in den Brutraum des Bienenkastens hängt, dieser sofort mit einer Wabe ausgebaut wird, die ausschließlich aus großen Zellen besteht, die sich für die Aufzucht von Drohnen eignen. Hier schein es also durch den Einsatz von vorgeprägten Mittelwänden ein Defizit an Drohnenzellen zu geben. Wenn wir uns ein Bienenvolk anschauen, das ganz ohne Mittelwände Naturwaben baut, dann fällt unter anderem auf, dass bis zu 20 Prozent der Zellen im Bienenvolk Drohnenzellen sind. Das zeigt eben, dass es in einem herkömmlichen Bienenkasten definitiv viel zu wenig Drohnenbrut gibt.

Zum Ziel der Varroabekämpfung wird dieses Phänomen genutzt, indem der Imker in jedem Bienenvolk mindestens eine dieser Drohnenbrutwaben hat, die er jedoch, nachdem die Brut verdeckelt ist, ausschneidet, denn die Varroamilben vermehren sich am liebsten in der verdeckelten Drohnenbrut, wahrscheinlich weil diese etwas länger verschlossen bleiben, als die Brutzellen der Arbeiterrinnenbrut. Somit bleibt es unterm Strich bei den wenigen Drohnen, die in der ein oder anderen freigeknabberten Ecke „heimlich“ schlüpfen.

Den ethischen Aspekt, der diese Varroamaßnahme durch die Massenvernichtung von ungeschlüpften Drohnen mit sich bringt, möchte ich in diesem Artikel nicht weiter vertiefen. Vielmehr soll es an dieser Stelle um die Frage gehen, was es mit den Bienen macht, wenn zu wenige Drohnen zur Verfügung stehen. Das primäre Ziel eines jeden Lebewesens ist es seine Art zu erhalten und möglichst sein Erbgut weiterzugeben. Somit müsste ein Bienenvolk nach all seinen Kräften möglichst viele Drohnen aufziehen und aussenden. Das würde es auch tun, wenn nicht durch die Lenkung des Wabenmaßes viel zu wenige Drohnenbrutzellen zur Verfügung stünden. Hinzu kommt, dass eine Königin im Idealfall von mehreren Drohnen begattet wird, in der Literatur ist von Zehn und mehr die Rede. Dies hat zum einen den Sinn, dass die Königin ausreichend Samen aufnimmt, die ihr Leben lang reichen. Aber ein anderer Aspekt darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Das Bienenvolk ist ein Superorganismus mit vielfältigen Aufgaben, die es alle möglichst gut bewältigen muss, um zu überleben. Dafür braucht es vielfältige Fähigkeiten. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, dass wenn eine Königin von ausreichend vielen Drohnen begattet wurde sicher viele verschiedene Stärken in einem Volk vereint werden können. Bestenfalls handelt es sich ausschließlich um Drohnen aus Bienenvölkern, die sich seit vielen Generationen ideal an den Standort angepasst haben.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Es gibt viele Bienenvölker aber sehr wenige Drohnen. Davon sind viele kaum an den Standort angepasst, weil standortfremde Königinnen zum Beispiel durch Zukauf oder ganze Völker in eine fremde Umgebung transportiert werden. Tritt nun eine junge Königin in dieser Umgebung ihren Hochzeitsflug an, trifft sie auf viel zu wenige Drohnen die zudem teilweise nicht an den Standort angepasste Fähigkeiten in ihrem Erbgut tragen. Die Frage ist, wie so ein vitales Bienenvolk entstehen kann. Doch das Ausschneiden der Drohnenbrut hat Hochkonjunktur und wird von allen Bieneninstituten empfohlen und ist den meisten Imkern sogar ganz recht, dann Drohnen fressen ja nur und sammeln keinen Honig. Aber das ist eben viel zu kurz gedacht.

Wenn wir standortangepasste vitale Bienenvölker haben wollen brauchen wir Drohnen, viele Drohnen, möglichst von Völkern, die seit vielen Jahren an den jeweiligen Standort angepasst sind. Aber dort, wo sich das Drohnendefizit schon bemerkbar macht, weil sich die Standbegattung als unzuverlässig dargestellt hat, kommt es vermehrt zu Ankäufen von Königinnen, die von entfernten Standorten stammen und alles andere als angepasst sind. Ein Teufelskreis entsteht.

Hilfreich wären hier wild lebende Bienenvölker, die zum einen standortangepasst sind und zum anderen ausreichend Drohnen aussenden, damit die jungen Königinnen begattet werden können. Somit könnten die wild lebenden Bienenvölker mehr Segen als Fluch sein, für den sie leider von vielen Imkern immer noch gehalten werden.

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