Bienenkörbe

Menschengemachte Bienenunterkunft mit Vorteilen

Bienenkörbe und wilde Honigbienen? Hier scheint es auf den ersten Blick erst einmal nicht so viele Gemeinsamkeiten zu geben. Denn beim Stichwort „Bienenkorb“ geht es Ihnen vermutlich wie uns: Als erstes denkt man an die Korbbienenhaltung aus früheren Zeiten wie sie in der Heide mit dem Lüneburger Stülper oder in anderen Gegenden mit den unterschiedlichsten Korbsystemen praktiziert wurde. Und tatsächlich war die Heideimkerei -trotz gutem Image eines traditionellen Handwerks- eine recht intensive Form der Bienenhaltung zur Honig- und Wachsgewinnung. Warum berichten wir also hier auf wilde-honigbienen.de über Bienenkörbe?

Auf der Suche nach bienengerechten Bienenwohnungen haben wir für uns den Bienenkorb als menschengemachte Bienenbehausung mit einigen Vorteilen wiederentdeckt. Vorteile für die Bienen, wohlgemerkt! Ohne Honigernte, versteht sich! Nur die Bedürfnisse der Honigbienen betrachtend! Unserer Erfahrung nach können wir den Honigbienen mit einem Strohkorb als Unterkunft schon recht viele ihrer Bedürfnisse erfüllen. Und je weniger wir die Bienen durch menschliche Eingriffe stören umso mehr können wir darüber hinaus ihre natürlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen fördern – und beobachten. Es muss ja nicht immer direkt das wilde Honigbienenvolk in seiner Baumhöhle im Wald sein um sich den Bedürfnissen der Honigbienen anzunähern – viel zu hoch und auch noch weit weg! Das geht auch in menschlicher Obhut, direkt nebenan, zum Beispiel mit einem Bienenkorb im Garten. Schauen wir uns im Folgenden also an, wie „wild“ Honigbienen in Bienenkörben -unter unserer Beobachtung- leben können und welche Vorteile so ein Strohkorb aus Bienensicht bietet.

Mit cirka 30 bis 40 Liter hat der Bienenkorb ziemlich genau das Volumen, was ein Bienenvolk für Brutnest und Vorratswaben benötigt. Mehr braucht es nicht, es sei denn wir wollen reichlich Honig ernten, aber das wollen wir ja nicht, denn der Honig bleibt den Bienen.

Das natürliche Baumaterial Roggenstroh hat bei einer Wandstärke von mindestens 5 cm sehr gute wärmedämmende Eigenschaften. Bienenvölker in Strohkörben überwintern mit nur wenigen Kilogramm Honig als „Heizmaterial“. Füttern? Überflüssig!

Ja, richtig! Die wilden Honigbienen kennen keine Unterkünfte aus Stroh sondern sie leben in Baumhöhlen. Der Bienenkorb ist und bleibt menschengemacht – mit einigen Vorteilen, aber aus Bienensicht noch nicht hundertprozentig optimal. Welche zusätzlichen Vorteile Baumhöhlen für die Bienen bieten, hierüber berichten wir in der Rubrik „Bienenbäume“ und „Klotzbeuten“.

Keine Ecken und Kanten sondern eine runde Form im Grundriss mit einer abgerundeten Decke, an die sich das Bienenvolk mit seinem kugelförmigen Brutnest -entsprechend seinen natürlichen Gewohnheiten- anschmiegen kann. Nahezu wie in der natürlichen Baumhöhle.

Die Bienen haben sich zur Wintertraube tief unter die wärmende „Strohkuppel“ zurückgezogen, die Wärme bleibt in den Wabengassen und kann nicht nach oben entweichen (es sei denn, der überneugierige Bienenbetreuer möchte Fotos für diese Homepage schießen und stellt den Korb für kurze Zeit auf den Kopf).

Beim traditionellen Lüneburger Stülper liegt das Flugloch weit oben, denn die Bienen sollten den Honig -für den Imker von unten gut erreichbar- im unteren Teil des Korbes einlagern. Schlecht für den Wärmehaushalt, denn die nach oben steigende warme Luft kann leicht über das Flugloch entweichen.

Bei unseren selbst geflochtenen Strohkörben haben wir das Flugloch tiefer angeordnet. Die von den Bienen erzeugte Wärme bleibt dort wo sie hingehört: Im Sommer im Brutnest, im Winter in der Wintertraube. Und dort ist auch der Honig eingelagert, die Lebensversicherung der Bienen um den Winter zu überstehen.

Unserer Einschätzung nach kommen die Bienen mit kleinen Fluglöchern in der Größe eines 5-Mark-Stückes gut klar. Für die Klimatisierung des Nestinneren sorgen die Ventilationsbienen nach einem ausgeklügelten System…

…abends und nachts wird das an sich schon kleine Flugloch mit einem „Bienen-Pfropfen“ verschlossen…

…oder je nach Bedarf auf einen Lüftungsschlitz der exakt erforderlichen Größe geöffnet. Sie wissen was sie tun!

Mobilbau mit herausnehmbaren Rähmchen? Diese und andere Erfindungen des Menschen kennen die wilden Honigbienen nicht. Im Bienenkorb können die Bienen ihrem natürlichen Bautrieb nachgehen.

Wir können unsere Korbbienen nicht fragen, aber wir haben aus unseren Beobachtungen heraus ein Gefühl: Sie scheinen sich in irgend einer Art und Weise wohl zu fühlen

Mehr zum Thema

Bienenkorbflechten – und das fast wie früher und einmal von Beginn an

Externe Links zum Thema

Flechten eines Bienenkorbes, Encyclopaedia Cinematographica, Editor: G. Wolf, Bienenzuchtverein Zäziwil, www.youtube.com

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