Schwarm ohne Unterkunft

29. Juni: Es regnet, vor mir auf dem Weg liegen Reste von frischen Bienenwaben, darauf ein Häufchen geschwächter Honigbienen. Welch eine zufällige Begegnung! Ich beobachte die nassen Bienen, kann die seltsame Situation in diesem Moment noch nicht richtig einordnen, richte dann meinen Blick nach oben in die alte Weide unter der ich stehe.

Dort fällt mir sofort ein abgesägter Ast auf wodurch eine große Baumhöhle freigelegt wurde. Aha, hier wurde offensichtlich an einem Gefahrenbaum gesägt und ein Bienenvolk hat seine Unterkunft verloren. Nach näherem Hinsehen sind jedoch keine Bienenwaben oder Wachsreste zu entdecken und vom abgesägten Ast fehlt jede Spur.

Es dauert gefühlt einige Minuten, ich suche die Weide weiter ab und siehe da: Weit oben im Baum entdecke ich ein Bienenvolk welches seine Waben freihängend am Baumstamm angebaut hat. Die Waben sind fast vollständig mit Bienen besetzt. Was für eine hervorragende Tarnung in Verbindung mit der Rinde des Baumes, aber auch welch unglücklich gewählter Nistplatz.

13. Juli: Zwei Woche später statte ich dem Bienenvolk meinen nächsten Besuch ab. Das Bienenvolk ist weiter gewachsen, die Bienen bedecken die Waben vollständig. Mit fallen die Buntspechthöhlen wenig oberhalb auf. Warum wurden diese nicht vom Schwarm bezogen? Hatten diese evtl. ein zu kleines Volumen? Wurde der Schwarm von den Suchbienen zu den Höhlen geführt, jedoch hat der Einzug aus irgendeinem Grund nicht geklappt? Musste der Schwarm wegen schlechtem Wetter die Nistplatzsuche abbrechen? Wurden zu früh und voreilig Waben gebaut…? Es bleiben Spekulationen aber eins ist klar: Freihängend, ohne Wetterschutz, wird es für das Bienenvolk eine kaum beherrschbare Herausforderung zu überleben.

10. August: Die Bienen sitzen aufgrund der warmen Temperaturen lockerer und geben den Blick auf das Wabenwerk frei. Sicherlich sind gerade auch viele Flugbienen auf Sammelflug unterwegs.

30. August: Die Bienen-Masse hat sich seit dem letzten Besuch deutlich reduziert, zu dieser Jahreszeit zunächst ein nicht unüblicher Vorgang im Bienenvolk. Es ist für das Bienenvolk zunehmend eine kräftezehrende Aufgabe das Brutnest auf Temperatur zu halten.

29. September: Die Menge an Bienen hat sich weiter reduziert. Die verbleibenden Bienen ziehen sich in die Nestmitte zurück. Optisch zeigt das Bienenvolk erste Anzeichen von Schwäche, die kalte Jahresezit naht und es wird nun hart für die Bienen zu überleben. Ich bin aber stark beeindruckt wie lange und wie zäh die Bienen den Umständen trotzen.

Linkes Bild / 13. Oktober: Es fliegen tatsächlich noch einzelne Bienen, wie groß die verbleibende Bienentraube noch ist, ist aus der Entfernung nicht mehr festzustellen.
Mittleres Bild / 1. Dezember: Kein Lebenszeichen mehr, die Waben weisen erste Beschädigungen auf. Ich verabschiede mich von meinen zähen Bienen-Freunden in der dicken Weide.
Rechtes Bild: im Folgejahr besuche ich noch einmal den Ort des Geschehens. Das Bienenvolk und alle Waben sind verschwunden, nur ich als Eingeweihter entdecke mit dem Fernglas noch ein paar alte Wabenansätze an der knorrigen Rinde.

Ziemlich wilde Bienen

In der Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ zeigt der NDR in dieser Naturdokumentation von Jan Haft das Leben wild lebender Honigbienen, wie sie seit Urzeiten ohne Imker in den Wäldern auskommen.

Quelle: NDR-Mediathek, Ziemlich wilde Bienen, Expeditionen ins Tierreich, Dauer 43 min, verfügbar bis zum 15.05.2025.

Schlaue Schwärme

Vogelschwärme, Ameisenkollektive, schwärmende Honigbienen: Schwärme finden deutlich effizientere Lösungen für Probleme als ein einzelnes Individuum. Jürgen Tautz begleitet Honigbienen in ihre natürliche Umgebung den Wald. Er berichtet über die Kommunikation und Orientierung der Spurbienen auf dem anspruchsvollen Weg von der Schwarmtraube zur leerstehenden Baumhöhle.

Schauen Sie ab Beitrag-Minute 31:45.

Quelle: ZDF-Mediathek, Terra X, verfügbar bis zum 17.02.2033.

Ziemlich wilde Bienen

In der Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ zeigt der NDR in dieser Naturdokumentation von Jan Haft das Leben wild lebender Honigbienen, wie sie seit Urzeiten ohne Imker in den Wäldern auskommen.

Quelle: NDR-Mediathek, Ziemlich wilde Bienen, Expeditionen ins Tierreich, Dauer 43 min, verfügbar bis zum 15.05.2025.

„Schon immer da!“ Wilde Honigbienen gehören zum Dorfinventar

Ein Honigbienenvolk, welches wild in der Wand einer alten Dorfscheune lebt, obwohl es keinen Imker im Dorf gibt, von dem „Schwarmnachschub“ zu erwarten wäre? An diesen Anblick haben wir uns schon ein wenig gewöhnt. Was macht also dieses Bienenvolk zu etwas Besonderem? Es ist die Nachbarin die uns erklärt, dass die Bienen schon seit Jahrzehnten in dieser Unterkunft leben. „Wir beachten die Bienen nicht besonders, sondern nur hin und wieder im Vorbeigehen, sie gehören einfach zum Dorf dazu“, berichtete sie.

Sie erzählte von einem Schwarmereignis ein paar Jahre zuvor. Ein Bienenschwarm aus dem oberen Teil des Dorfes zog mit auffälligem Getöse in die Mauerspalte ein.

Es wird also auch in den Mauerspalten gestorben, wie überall in der Natur. Wenn das Bienen-Netzwerk der lokalen Population funktioniert, werden leere Bienenbehausungen schnell wieder von neuen Schwärmen aus der wilden Nachbarschaft bezogen. Für die Menschen macht es den Anschein, die Bienen seien immer da. In Wirklichkeit wird hinter den Mauerritzen gelebt und gestorben, wiederbesiedelt, gelebt und gestorben.

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Hausbesetzer, Kirchenbienen und Burgvölker.

Im Wald der wilden Bienen

Ein Film von Jan Haft aus der ARTE-Mediathek

Die wilde Honigbiene nimmt eine Schlüsselrolle in der Ökologie unserer Wälder ein. Sie kämpft gegen Wespen und aggressive Schmetterlinge und fällt allerhand Räubern zum Opfer. Ein natürlicher Kreislauf. Dennoch verschwand ihre Urform, die Dunkle Biene, fast vollständig aus Mitteleuropa. Wie konnte es dazu kommen? Der Film zeigt, wie es in einem wilden Bienenstock zugeht.

Der vielfach preisgekrönte Filmemacher Jan Haft führt uns mit seiner bildstarken und einfühlsamen Dokumentation vor Augen, was wir gewinnen, wenn wir den wilden Honigbienen wieder einen Platz in unseren Wäldern einräumen.

Quelle: ARTE-Mediathek, Dauer 44 min, verfügbar bis zum 02.02.2022.

„Wie kann ich die wild lebende Honigbienen in der hohlen Linde unterstützen?“

„Im letzten Jahr hatte ich erstmals Besuch von einem Schwarm Honigbienen der sich im Juli in der Luftschicht einer Gebäudewand angesiedelt hatte. Aufgrund der ungünstigen Gegebenheiten der Wand ist das Volk allerdings nach zwei bis drei Monaten zu Grunde gegangen. In diesem Jahr wiederholt sich das Ganze, sprich ein Schwarm Honigbienen hat sich bei uns eingefunden. Anfang Juli ist dieser in eine -mir bis dahin nicht bekannte- Baumhöhle in einer alten Linde eingezogen. Bislang scheint sich das Volk gut zu entwickeln, der Flugverkehr ist sehr rege. Wie ich den Ausführungen auf eurer Internetseite entnommen habe, ist das Bienenvolk allerdings sehr spät im Jahr geschwärmt und es wird es vermutlich nicht schaffen ausreichend Vorräte für den Winter anzulegen.“

Diese Nachricht erreichte uns vom Niederrhein von Bienenbeobachter G. Papen verbunden mit der naheliegenden Frage, welche Möglichkeit es gäbe dieses schützenswerte, wild lebende Bienenvolk „mit irgendeiner Art Zufütterung“ zu unterstützen. Welchen Rat kann man hier geben?

„Je später der Schwarm desto geringer seine Chance den ersten Winter zu überleben. Dieses Jahr war mit dem kalten Frühjahr ohnehin schon ein spätes Jahr, alles ungefähr einen Monat später, mit Anfang Juli ist Dein Schwarm bereits zwei Monate über der normalen Zeit. Die nahrungsreiche Zeit Mai und Juni hat Dein Schwarm verpasst. Eine Fütterung mit Zuckerwasser oder Futtersirup ist grundsätzlich eine Option zur Stärkung eines solchen Jungvolkes. Eine Fütterung ist ohne Zugang zur Baumhöhle jedoch so gut wie nicht möglich. Versuche von außen zu füttern würden das Risiko von Räuberei durch andere stärkere Honigbienenvölker herausfordern, davon ist abzuraten. Was können wir Dir raten? Eigentlich nur abwarten und beobachten was passiert. Das ist hart, unser Gewissen wird herausgefordert und wir kennen diese Situation nur zu gut, aber beim Bienenvolk in der natürlichen Baumhöhle sind wir gezwungen, der Natur ihren Lauf zu lassen. Auch wenn das Volk nicht überleben sollte, so hat es mit seiner Arbeit den Grundstein gelegt, indem es Waben gebaut und die Baumhöhle von innen propolisiert hat. Von dieser Vorarbeit profitieren nachfolgende Schwärme, solche verlassenen Bienenbehausungen üben auf Schwärme eine große Anziehungskraft aus, die Bienen wissen warum, und Du wirst es in den Folgejahren beobachten dürfen. Es bedarf aber mehrere Jahre und ebensoviele Schwärme bis eine Baumhöhle „bienengemäß“ ausgestattet ist und die Voraussetzung für eine erste erfolgreiche Überwinterung geschaffen ist.“

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Bienenbäume und Der frühe Schwarm.

Erst kommen die Suchbienen, dann der Schwarm

Wie kann man Nistplatzkundschafterinnen von solchen Bienen unterscheiden, die ihrer normalen Sammeltätigkeit nachgehen? Mit ein wenig Übung ist dies möglich. Ist der Schwarm bereits in seine neue Wohnhöhle eingezogen, ist das Flugbild der Bienen am Flugloch zumeist sehr zielstrebig, dies gilt insbesondere für die abfliegenden Bienen. Suchbienen hingegen umkreisen erst einmal längere Zeit das Flugloch, inspizieren dies und die nähere Umgebung ausgiebig, ehe sie dann für mehrere Minuten im Inneren verschwinden, wieder herauskommen, um dann wieder mit Blickrichtung zum Flugloch sich die Situation vor dem Rückflug zur Schwarmtraube gut einzuprägen.

Bei einem Sonntagsspaziergang konnten wir die Arbeit von einigen Suchbienen an dieser offensichtlich sehr interessanten Baumhöhle in einer Eiche mit dem Fernglas gut beobachten – bei unserer Wiederkehr am darauffolgenden Dienstag war der Schwarm bereits eingezogen.

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Schwärme auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Nachbars Bienenvolk hinter der Klinkerfassade, Update 2021

Nach einer weiteren erfolgreichen Überwinterung in Folge ohne menschliches Zutun schwärmte das Bienenvolk hinter der Klinkerfassde erneut, wie im letzten Jahr, siehe Beitrag vom Juli 2020. Dieses Bienenvolk bildet eine wertvolle Basis für die genetische Vielfalt der in der Umgebung lebenden Bienenvölker, auch der von den umliegenden Imkern gehaltenen Bienen. Denn bei jeder Standbegattung können die Imker von der Überlebenskunst der „Klinkerbienen“ profitieren, indem sie Eigenschaften weitergeben, die ihnen helfen, auch mit der Varroamilbe fertig zu werden. Denn die Drohen dieses Volkes fallen keiner Varroabekämpfungsmaßnahme zum Opfer und stehen somit für viele erfolgreiche Hochzeitsflüge zur Verfügung.

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Hausbesetzer.

Hanses Beieli

Einer unserer Buch-Leser aus der Schweiz ist ab sofort stolzer Honigbienenbeobachter. Ein Bienenschwarm hat sich seine SwissTree-Baumhöhlensimulation schon drei Wochen nach dem Aufstellen als neue Unterkunft ausgewählt. Soviel Glück hat nicht jeder, es herrscht offensichtlich Honigbienen-Wohnungsnot am Zürichsee. Verfolgen Sie die weitere Entwicklung im Bienentagebuch auf der Seite Hanses Beieli.

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Nachbars Bienenvolk hinter der Klinkerfassade

Als ich im Juli einen Freund westlich von Köln besuchte -er war Anfang des Jahres hierhergezogen- erzählte er mir von einem wilden Bienenvolk bei seinem neuen Nachbarn. Ich fragte interessiert nach und es stellte sich heraus, dass das Bienenvolk nach Aussage des Nachbarn schon seit mehreren Jahren in einem Hohlraum hinter der Klinkerfassade wohnt und auch die letzten Winter überlebt hat. Dafür sprach, dass es in diesem Frühjahr geschwärmt war, was mein Freund bestätigte. Der Schwarm hing in der Linde, die direkt hinter dem Haus steht. Ein vom Nachbarn herbeigerufener Imker konnte den Schwarm nicht einfangen, weil er zu hoch hing. Am nächsten Tag war er verschwunden. Wie gerne ich wüsste wo der Schwarm eingezogen ist und wieviel Schwärme dieses Muttervolk wohl in den vorausliegenden Jahren bereits entsandt hat.

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Hausbesetzer.

Der frühe Schwarm

Dieser Mutterschwarm aus einem Korbbienenvolk fiel am 30. April 2020 noch mitten in der Apfelbaumblüte. Warum ist uns dieser „frühe Schwarm“ eine Meldung wert? Weil die Honigbienen uns hiermit IHREN Jahresrhythmus plakativ vor Augen führten: Wer früh zur besten Zeit im Bienenjahr mit seinem Nachwuchs am Start ist, steigert die Chancen im Rennen um die besten Nistmöglichkeiten und gewinnt entscheidende Wochen in der Nektar- und Pollen-reichen Zeit zur guten Volksentwicklung und um die nötigen Vorräte für eine erfolgreiche Überwinterung anlegen zu können. Schwärme aus imkerlich betreuten Bienenvölkern werden oft durch schwarmverhindernde oder schwarmverzögernde Maßnahmen bis weit in den Mai bzw. Anfang Juni herausgezögert, wenn sie denn überhaupt schwärmen dürfen. Zu spät, um ohne imkerliche Hilfe den nächsten Winter zu überstehen!

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Der frühe Schwarm.

Schwarm ohne Unterkunft

Auf dieses verlassene Wabenwerk eines Honigbienenvolkes in einem Apfelbaum einer Streuobstwiese wurden wir durch einen Hinweis des zuständigen Landschaftswartes aufmerksam. Zum Zeitpunkt der Apfelernte Ende September war das vor Wind und Wetter ungeschützte Bienenvolk jedoch bereits gestorben, es hatte aber ein beeindruckendes Wabenwerk hinterlassen. Waren die Suchbienen des Bienenschwarms auf Ihrer Suche nach einer geeigneten Unterkunft erfolglos geblieben? Oder konnten sich die Schwarmbienen im Schwarmprozess nicht auf eine Unterkunft einigen? Es war ein heißer und trockener Sommer, vielleicht war das der Grund, warum der Bienenschwarm sich diese ungewöhnliche aber letztendlich unglückliche Wohnstätte ausgesucht hatte.

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Bienenwaben.

To swarm or not to swarm – Bienenforscher T.D. Seeley will mehr Bienenschwärme.

Viele Imker haben seit Jahren keinen Bienenschwarm mehr gesehen weil sie mit verschiedenen Methoden das Ausschwärmen verhindern. „Die Verhinderung des natürlichen Schwarmtriebes ist ein widernatürlicher Eingriff, der zu Folgeschäden führt“, erklärt Bienenforscher T.D. Seeley im Interview mit der Schweizerischen Bienenzeitung auf das wir an dieser Stelle verlinken wollen:

Jürg Vollmer, To Swarm or not to swarm – Bienenforscher T. D. Seeley will mehr Bienenschwärme, Schweizerische Bienen-Zeitung, 06/2015, www.freethebees.ch

Und im Übrigen: Es muss nicht immer ein solcher „Monsterschwarm“ sein wie ihn die Wirtschaftsvölker am Rapsfeld hervorbringen. Diese unnatürlichen Volksgrößen sind das Resultat der Bewirtschaftung durch den Imker, große Beutenvolumina, große Völker, große Schwärme.

In einem solchen Schwarm vereinigt sich zwar viel Arbeitskraft, die beim Neubezug einer Unterkunft gebraucht werden kann. Unserer Erfahrung nach ist das jedoch keine Überlebensgarantie für das erste Jahr in der neuen Unterkunft, auch solche arbeitsstaren Jungvölker brechen im Spätherbst schneller zusammen als man erwartet. Wir vermuten es fehlen vielen hochgezüchteten Bienenvölkern die richtigen Überlebenseigenschaften.

Weitere Infos auf unserer Wilden Seite Schwärmen lassen.